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Schlodien

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 Geschichte des Objekts  |  Geschichte des Projekts 


GESCHICHTE DES OBJEKTS

SCHLODIEN (G£ADYSZE) - Schloss und Park

Einführung

Etwa 50 km östlich von Elbing (Elbl±g), am Rande einer fruchtbaren, hügeligen Landschaft um das linke Zuflussgebiet von Passarge (Pas³êka), etwas oberhalb des Mittellaufs des Flusses, liegt Schlodien (G³adysze), ein Dorf, das heute etwa 10 größere und 20 kleinere Bauernhöfe zählt. In den Dorfgrenzen befinden sich: eine große, verwilderte und mit einem Wassergraben umgebene Parkanlage mit einigen Teichen sowie eine Schlossruine mit Überresten von Wirtschafts- und Vorwerksgebäuden, die einst dem in Europa weit verzweigten Hochadelsgeschlecht Dohna gehörten, welches auf diesem Gebiet von Mitte des 15. bis fast Mitte des 20. Jh. angesiedelt war.

1688 wurde Schlodien an den brandenburgisch-preußischen General Christoph Burggraf und Graf zu Dohna (1665-1733) vererbt, der später Minister und Diplomat in Diensten des brandenburgischen Kurfürsten und künftigen Königs in Preußen Friedrich I. (1657-1713) wurde - und dem als einem der ersten der vom König anlässlich dessen Krönung 1701 gestiftete Schwarze Adlerorden verliehen worden war. Mit Christoph Burggraf und Graf zu Dohna nahm eine neue Linie dieses Hochadels (-Schlodien) ihren Anfang, die sich nun von der Linie (-Schlobitten) seines Bruders Alexander (1661-1728) abzweigte.

Es soll hier auch gesagt werden, dass der Anfang des 16. Jh. verstorbene Gründer der preußischen Linie des Dohna-Geschlechts den Vornamen Stanislaus (auf polnisch Stanis³aw - selten im deutschen Sprachgebiet) trug.

Der fortschreitende Verfall des Parks, des Schlosses und des Vorwerks in Schlodien begann 1945. Zuerst haben sowjetische Soldaten das hier vorhandene Mobiliar geraubt, dann stand alles unter dem Zeichen der Misswirtschaft des kommunistischen Systems. Der fast 60 Jahre andauernde Verfall des Objekts, der mit dem Schlossbrand im Jahre 1986 seinen Tiefpunkt fand, hat letztendlich zu seiner völligen Zerstörung geführt.

Man muss jedoch betonen, dass sich Vertreter der Kultur ungeachtet aller Hindernisse stets um das Objekt gesorgt haben, und obwohl sie keine Chance hatten, das Böse selbst abzuwenden, waren sie ununterbrochen, - und dennoch nicht immer erfolgreich - darum bemüht, alles zu retten, was zum gegebenen Zeitpunkt zu retten war.

Das Hauptverdienst ist dabei den örtlichen Denkmalsschutzstellen zuzuschreiben. Das immer weiter geraubte Mobiliar ließ sich nicht retten. Das damals herrschende System ließ es nicht zu, dass man sich der Übergabe der Bauten in unbefugte Hände widersetzten konnte. Nicht desto trotz hat man es beispielsweise unter beträchtlichem Aufwand noch vor dem Brand geschafft, das Schloss fotogrammetrisch zu dokumentieren, dank dessen es jetzt, wenn es die Umstände bereits erlauben, eventuell wiederaufgebaut und detailgetreu restauriert werden kann.

Das Objekt wechselte immer wieder seinen Besitzer, war mal staatlich, mal privat; gegenwärtig befindet es sich im Besitz der Polnisch-Deutschen Stiftung zum Schutze des Kulturerbes im Ermland, die bereits Anstrengungen zum Wiederaufbau des Objekts und zu dessen späteren Nutzung im Dienste von Mensch und Kultur unternommen hat.

Dahinwirkend hat man bereits zahlreiche durch Informationen und Bilder auf der hier präsentierten Internetseite belegte Ordnungsarbeiten und technische Maßnahmen, sowie die für die Einleitung formeller Maßnahmen wie Finanzmittelbeschaffung und Objektrevitalisierung notwendige dendrologische Inventur der Parkanlage und die architektonische Bestandsaufnahme des Schlosses durchgeführt..

* * *

Schloss

Quelle: Ostpreußische Gutshäuser in Polen Gegenwart und Erinnerung, Adelheid Gräfin Eulenburg - Hans Engels, Mit einem Vorwort von Marion Gräfin Dönhoff und einem Beitrag von Kamila Wróblewska, Verlag C.H.Beck München (2., überarbeitete Aufl. - München, 1995) - Seiten 115-118,
© C.H.Beck'sche Verlagsbuchhandlung (Oscar Beck), München, 1992)

Fabian Graf zu Dohna: "Im ostpreußischen Oberland, einem fruchtbaren Hügelland im baltischen Landrücken, liegt das kleine Dorf Schlodien in der Flussniederung der Passarge, welche die Grenze zum Ermland bildet. Neben etwa einem Dutzend Bauernhöfen erhebt sich am Westrand des Ortes das Barockschloss der Grafen zu Dohna-Schlodien. Mit einer Anzahl von verschiedenen Nebengebäuden bildet es eine großzügige Gesamtanlage.

Schlodien, früher auch «Schklodien» oder «Sklodien» genannt, führt seinen Namen wohl auf einen ursprünglich pruzzischen Besitzer (Sklode ist ein pruzzischer Name) zurück. Für mehrere Generationen ist eine ursprünglich pruzzische Adelsfamilie Werner im Besitz nachgewiesen, von der die Familie Dohna, die seit Mitte des 15. Jahrhunderts in Ostpreußen ansässig ist, das Dorf Schlodien zur Abrundung ihrer umfangreichen Besitzungen 1643 erwarb. Damals befand sich dort nur ein bescheidener, einstöckiger Bau.

Christoph Burggraf und Graf zu Dohna (1665-1733), preußischer General und später auch preußischer Minister, erbte Schlodien im Jahr 1688. Während seiner Aufenthalte in Berlin hörte er von dem Baumeister des «weltberühmten Zeughauses» in Berlin, Jean de Bodt, einem 1670 in Paris geborenen Hugenotten, der nach dem Edikt von Nantes 1685 nach Holland und später nach Berlin gegangen war. Dort trat er die Nachfolge von Johann Arnold Nering (†1695) an, dessen Bauten er zu Ende führte, so zum Beispiel das Stadtschloss in Potsdam. Später ging de Bodt in sächsische Dienste. Christoph Dohna entschloss sich also, von diesem Künstler einen Schlossbau planen zu lassen. Anfänglich baute man auf einer Anhöhe bei Quittainen in der Nähe von Schlodien, aber der Blitz fuhr zweimal in die Fundamente, und so verlegte man den Neubau an seinen heutigen Standort.

Der heutige Bau entstand in den Jahren 1701 bis 1704 nach den Plänen von Jean de Bodt. In Ostpreußen beauftragten noch mehrere Bauherren den Künstler, und so stammen die Entwürfe für Friedrichstein und wahrscheinlich auch für Carwinden und Finckenstein von ihm. Schlodien war jedoch das erste, wohl auch das kleinste dieser Landschlösser, das aber durch seine harmonischen Proportionen und die intime, geschlossene Bauform beeindruckte.

Die Bauleitung des Schlossbaus oblag vermutlich Johann Caspar Hindersin (1677-1738), der bei einem Vetter von Christoph Dohna in Reichertswalde tätig war und der später dann den Ausbau des benachbarten Schlobitten für Christophs Bruder Alexander Dohna durchführte. Auch die Nebengebäude der Schlodier Schlossanlage stammen zum Teil von Hindersin.

Nordöstlich des Schlosses war ein Ehrenhof nur zum Teil fertig gestellt worden. Zu ihm gehörte östlich das zweistöckige Küchenhaus, von Hindersin errichtet, vielleicht nach Plänen von Jean de Bodt. Ein nördliches Pendant dazu ist nicht mehr entstanden. Weiter nordwestlich flankieren zwei eingeschossige Kavalierhäuser den Schlossteich. Hinter dem Küchenhaus erstreckte sich noch das, «Kammer - oder Amtshaus», und weiter südwestlich des Schlosses wurde später das «Jägerhaus» oder die «Oberförsterei» errichtet. Schließlich ergänzte nordwestlich des Hauptbaus der von einem Dachreiter gekrönte Marstall die eindrucksvolle Gesamtanlage. Im 19. Jahrhundert hat man den Schlossbau nach Südwesten durch einen Zwischenbau mit der benachbarten Orangerie verbunden und dabei leider die Proportionen des ursprünglichen Gebäudes gestört.

Die bemerkenswerte Innenausstattung des Schlosses stammte zu einem Teil aus der Herrschaft Vianen in den Niederlanden, der Erbschaft der Ehefrau des Bauherrn. Durch sie kamen viele hübsche und wertvolle Möbel, Gemälde niederländischer Künstler und Gobelins aus flämischen Manufakturen nach Schlodien. Eine Serie dieser Wandteppiche mit Darstellungen der La Fontaineschen Fabeln schmückten die «Grüne Vorkammer». Etliche Bilder, insbesondere von niederländischen Meistern, haben den Krieg überdauert und werden heute im Herdermuseum, dem vormals Dohnaschen «Schlösschen», in Mohrungen ausgestellt.

Der künstlerisch begabte Sohn des Erbauers, Carl-Florus (1693-1765), entwarf manche Innendekoration. Die Entwürfe von Stuckdecken, Öfen, Türen und Kaminen stammten zum Teil von seiner Hand und waren kunstvoll aufeinander abgestimmt. Der «Rote Saal» zeichnete sich durch seinen reichen Stuckplafond aus. Die Supraporten stellten die Ansichten der benachbarten Dohnaschen Häuser - Schlobitten. Schlodien, Carwinden und Lauck - dar, wobei jedem der Häuser einer der fünf Sinne nach den typischen Eigenschaften der Bewohner zugeordnet war. Schlodien repräsentierte das Gehör, symbolisiert durch musizierende Kinder, um auf die über Generationen gepflegte Hausmusik hinzuweisen. Über dem Treppenhaus wölbte sich eine Kuppel mit einem Sternenhimmel, von den Kindern des Hauses etwas respektlos der «Katzenhimmel» genannt. An der Innenausstattung hatten die folgenden Generationen nur wenig verändert, was dem Haus den Charme originaler Vollständigkeit verlieh. In dem im 19. Jahrhundert angebauten Verbindungstrakt vom Haus zur Orangerie, die später als «Gelber Saal» ausgebaut wurde, befand sich das bedeutende Archiv. Den «Gelben Saal» zierten unzählige Familienbilder, auch diese zum Teil von bemerkenswerter Qualität.

Der Park öffnete sich nach Südwesten, und der Blick folgte der Mittelachse, die sich in einer breiten Lindenallee bis zum Wald am Sprickelbusch fortsetzte. Ursprünglich als Barockgarten - wohl nach Plänen von Carl-Florus Dohna - angelegt, erinnerte er an ein Festungsfort mit Wasserkanal und kleinen Bastionen, die noch in Andeutungen erhalten waren. Um 1800 wurde der Park in einen Landschaftsgarten umgestaltet. Ein chinesisches Teehäuschen wurde ebenso errichtet wie ein Kinderspielhaus im Stil eines Oberländer Vorlaubenhauses. An den Barockgarten erinnerten später noch immer die Pomeranzenbäume, die in großen Kübeln jedes Frühjahr in den Park gefahren wurden und in einem Gewächshaus überwinterten. So aß man in Schlodien sehr wohlschmeckende Pomeranzenmarmelade aus eigenem Anbau. Zwischen Park und Obstgarten führte fast parallel zur Mittelachse ein etwa dreihundert Meter langer Weg, der von sehr hohen Hainbuchenhecken eingefasst war, von der Schlossanlage nach Südwesten auf das Vorwerk, den landwirtschaftlichen Gutsbetrieb.

Der Bauherr des Schlosses, Christoph Dohna, hat sein reich erfülltes Leben mit zahlreichen interessanten Kommandos und Gesandtschaften in ausführlichen Memoiren niedergelegt. Hier soll nur sein Auftrag als kurbrandenburgischer Wahlbotschafter erwähnt werden. Im Jahr 1711 vertrat er den brandenburgischen Kurfürsten, König Friedrich I. v. Preußen, bei der Kaiserkrönung Karls VI. in Frankfurt a. M. Zu seinen Aufgaben gehörte es, dem Kaiser nach dem Krönungsmahl die Schüssel zum Händewaschen zu reichen. Die hierfür verwendete schwere Silberschüssel und Kanne wurden in Schlodien bis zum Kriegsende als Taufschale benutzt.

Christophs Enkel, Carl Ludwig Dohna, entließ bereits 1802 seine Bauern aus der Erbuntertänigkeit (nicht zu verwechseln mit der Leibeigenschaft, die es in Ostpreußen nie gegeben hat), ohne sich jedoch der Schutzpflicht für sie zu entledigen. Diese private Bauernbefreiung - fünf Jahre vor den Stein-Hardenbergschen Reformen - führten alle Dohnaschen Vettern durch. Carl Ludwig lernte Polnisch und übersetzte Luthers Katechismus ins Polnische, damit auch die polnischsprachigen Bevölkerungsteile in Masuren diesen lesen konnten.

In einem so großen Hause herrschte stets ein reges Leben. Unzählige Gäste gingen ein und aus und kamen nicht nur für Stunden oder wenige Tage. Es kamen auch nicht nur die weit verzweigte, zahlreiche Verwandtschaft, sondern erholungssuchende Freunde, Studien- und Regimentskameraden. Es kamen junge Künstler, die sich etwas verdienen wollten. So war manch junges, erst später erkanntes Talent in Schlodien. Erwähnt sei hier der Dichter Max von Schenkendorf, der sich als Student und später als verwundeter Kriegsfreiwilliger aus den Freiheitskriegen 1813/14 häufig im Hause aufhielt.

Eine Sommerfrische verlebten junge Theologen ebenso wie bedürftige Witwen oder Ferienkinder aus den Städten, die durch Kirchen oder andere soziale Einrichtungen vermittelt wurden. So war das Haus in Schlodien besonders in den Sommermonaten stets mit Gasten bevölkert. Die Kinder spielten in Haus und Park, in dem sich zahllose interessante Möglichkeiten boten: zum Beispiel das Oberländer Bauernhäuschen, das chinesische Teehäuschen oder eine Kahnfahrt auf dem Teich und die Insel, aber auch die vielen Salons, Kammern und Säle, Treppen und Winkel des großen Hauses waren ein Paradies für die Kinder. Nicht selten bangten die Eltern um das wertvolle Mobiliar, wenn die Spiele zu lebhaft wurden. So hat der Hausherr einmal dem l4jährigen Kronprinzen (dem späteren König Friedrich Wilhelm IV.) und seinem 12jährigen Bruder Prinz Wilhelm (dem späteren König beziehungsweise Kaiser Wilhelm I.), als sie bei einem längeren Aufenthalt in Schlodien in dem unglücklichen Jahr 1809 mit einem Feuerwerkskörper spielten, Stubenarrest zudiktiert.

Wie es sich für ein ordentliches Schloss gehört, so hatte auch Schlodien seinen Spuk. Es war eine weiße Dame, die gelegentlich erschienen sein soll. Die kinderlose Hausfrau wollte ihren Mann überreden, entgegen den Fideikommissbestimmungen Schlodien ihr zu vererben. Da er ihren Wunsch nicht erfüllen konnte und wollte, hat sie ihn noch in der Todesstunde bedroht und nicht in Frieden sterben lassen. Dies raubte ihr flach der Legende die Grabesruhe. Bei Schlossführungen wurde nie verfehlt, das Porträt der etwas kalt dreinschauenden «Spuktante» aus dem 18. Jahrhundert mit entsprechenden Ausschmückungen zu zeigen und manchem Gast gehörigen Respekt einzuflößen. Übrigens hatte man drei Geistliche bemüht und in einer Seitentreppe, die hinter einer Tapetentür von der Haupttreppe abzweigte, ein Kreuz in einen Balken geschnitzt, um den Spuk zu bannen.

Unter dem schiefergedeckten Mansarddach wirkte das Schlodier Haus nicht protzig, sondern eher anheimelnd, gemütlich. So war auch das Leben hier eher bescheiden, zumal die wirtschaftliche Lage nach dem Ersten Weltkrieg keinen Luxus zuließ. Modernen Komfort hatte man nur im notwendigsten Umfang eingebaut und damit den ursprünglichen Bauzustand weitgehend erhalten. Die Küche blieb also im Küchenhaus, und die Speisen wurden im Sommer wie im Winter bei Wind und Wetter unter großen Deckeln über den Hof getragen. Das tägliche Leben spielte sich überwiegend im Erdgeschoß ab, während eine Reihe von Staatsräumen im Obergeschoß nur für große Festlichkeiten offenstanden. Nach dem frühen Tod des Vaters der beiden letzten Besitzer gab es nur noch selten solche Gelegenheiten.

Mit einem großen Kutschwagen, genannt «die Schlodier Feuerwehr», fuhr die zahlreiche Familie fast jeden Sonntag in eine der sieben Patronatskirchen zum Gottesdienst, meist jedoch in das nahe Deutscheudorf, das sich seit 1469 in Dohnaschem Besitz befand, da in Schlodien keine Kirche stand. Konnte aus gesundheitlichen oder Wettergründen nicht zur Kirche gefahren werden, hielt die Hausfrau im Musikzimmer eine Andacht, an der Familienangehörige, Gäste und Hausangestellte teilnahmen. Hierin kam eine tiefe Frömmigkeit zum Ausdruck, die eine lebendige Familientradition der Dohnas widerspiegelt.

Zum Baden fuhr man mit dem Fahrrad zur nahen Passarge oder zum Oberteich bei Spitzen. Höhepunkte bildeten Ausflüge mit dem Kutschwagen in die reizvolle Umgebung, wobei ein Picknick besonders beliebt war. Im Park fanden regelmäßig Sommerfeste des Frauenvereins für die ganze Umgebung stall mit Singen, Spielen und als Hauptattraktion der Besichtigung der Innenräume des Schlosses.

Größere Ausflüge unternahm man mit der Eisenbahn und steuerte meist ein kunsthistorisch lehrreiches Ziel an, um den Kunstsinn der Bewohner und Erben für die Erhaltung dieses Kunstdenkmals zu fördern. An den langen Winterabenden las die Hausfrau aus Klassikern vor, während sich die übrige Familie mit Handarbeiten beschäftigte. Ode man übte mit Klavier, Geige und Flöte für eine Hausmusik.

Nahezu fünf Jahrhunderte lebten die Dohnas in Ostpreußen; dreihundert Jahre besaß die Familie das Gut Schlodien; neun Generationen waren bemüht, dieses Schloss zu bauen und getreu der Familientradition dieses Kulturerbe an die Nachkommen weiterzugeben. Die beiden letzten Besitzer, die Brüder Wilhelm-Christoph und Carl-Emanuel, sind 1944 und 1945 mit 22 beziehungsweise 17 Jahren gefallen. Ihre Mutter und die beiden Schwestern flohen im eisigen Winter, zeitweilig im Pferdewagen, nach Westfalen.

Bei Kriegsende fiel das Schloss unversehrt in die Hände der sowjetischen Armee. Nachdem es völlig ausgeplündert worden war, diente es dem staatlichen Landwirtschaftsbetrieb als Getreidelager. Später stand es leer, jedoch bemühte man sich, das Dach zu reparieren, um eine vollkommene Wiederherstellung zu ermöglichen. Schließlich fiel das Haus 1986 einem Brand zum Opfer. Das Küchenhaus ist ganz verschwunden, ebenso wie die beiden Kavalierhäuser neben dem inzwischen leergelaufenen und verwilderten Schlossteich, und das Kammerhaus brannte schon vor dem Schloss aus. Der Marstall stürzte zum Teil ein. Nur die Oberförsterei wird noch bewohnt."

* * *

Park

Quelle: Gärten und Parke in Ostpreußen - 400 Jahre Gartenkunst, Ursula Gräfin zu Dohna, Verlag Busse Seewald GmbH, Herford, 1993 - Seiten 46-51

Ursula Gräfin zu Dohna: "Eines der anspechendsten Schlösser Ostpreußens war Schlodien. Zurückhaltend in den Ausmaßen, ausgewogen in Form und Proportion und im Innern von höchster Qualität in der Ausstattung. Bauherr dieser Gesamtanlage war der Minister und General Christoph Burggraf und Graf zu Dohna (1665-1733), der Bruder des Feldmarschalls Alexander und der Begründer der Schlodien Linie. Die Pläne stammten von Jean de Bodt, dem Architekten der Berliner Zeughauses, der auch späterhin mit Carwinden, Friedrichstein und Finkenstein weitere beachtliche Schlösser in Ostpreußen entwarf. Erfolgte die Bautätigkeit in Schlobitten ab 1696, so folgte Schlodien 1701-1704. Zwei Garten-Entwürfe sind aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts überliefert, beide mit CFD signiert. Sowohl die handschriftliche Bezeichnung - "Projekt zum Schlodier Garten" für den ersten und "Zweites Projekt zum Garten in Schlodien" auf dem anderen - als auch die Signatur lassen auf denselben Verfasser schließen, der auch Entwurf-Skizze für Schlobitten zeichnete. Falls dies zutrifft, wäre der erste Plan schwerlich vor 1710 anzusetzen, da Carl Florus Dohna, der begabte und kunstinteressierte Sohn des Erbauers von Schlodien, erst 1693 geboren war. Außerdem orientierte sich der Verfasser in vielen Einzelheiten an den Musterplänen der französischen Garten-Theoretikers A. J. Dézallier d'Argenville, dessen stilbildendes Werk "Théorie et pratique du jardinage" erst 1709 - noch anonym - erschien. Auch diese Tatsache lässt auf einen Liebhaber-Entwurf schließen.

Auffallend an den beiden früheren Schlodier Plänen ist zum einen die überaus großzügige Verwendung des Wassers und zum anderen die den Garten rahmenden Bastionen. Es wäre denkbar, dass die reichliche Gestaltung mit Wasser eine Notwendigkeit in sumpfigem Gebiet war, wie dies ja auch im Versailles zutraf. Wedeke notiert etwas abfällig von Schlodien: "Es liegt in einem niedrigen sumpfigen Boden, nur durch fleißige Kultur wird es bewohnbar erhalten." Was die von Wasser umgebenen Bastionen anbetrifft, so kann man in Schlodien nicht davon ausgehen, dass diese übernommen wurden, denn hier war kein Herrenhaus vorher vorhanden. Besonders auf dem ersten Plan wird der rein gestalterische Charakter dieser Gartenumrahmung deutlich. Auch hier wieder ein halbrunder Abschluss des Parterre, eine so genannte "demi lune", womit eine Rundung in Form eines Halbmondes gemeint ist. Hinter einem breiten Querkanal, über dessen Insel in der Mittelachse man an das andere Ufer gelangen konnte, dehnte sich der Garten in vergleichbare Größe aus. Alle seitlichen Quartiere, die offenbar der Obstzucht dienen sollten, wurden durch Hecken eingefasst.

Dieser Plan kam vermutlich zur Ausführung. Allerdings wurde der äußere Teil hinter dem Querkanal wesentlich verkürzt. Ob das aufwendigere Parterre des zweiten Projekts realisiert worden ist, muss eine offene Frage bleiben. Vielleicht wollte Christoph, der von 1713-1716 als Minister ganz in Berlin lebte, bei seiner Rückkehr nach Schlodien den Garten noch verschönern. Eine breite, balustradengefasste (?) Terrasse mit Stufen ins Parterre war in Schlodien nicht vorhanden, auch die beiden sie flankierenden Gebäude scheinen nicht gebaut worden zu sein. Johan Bernoulli kommt auf seiner Reise durch Brandenburg, Pommern und Preußen auch nach Schlodien und schreibt:
"Schlodien, gleichfalls ein gräflich Dohnasches Schloss, welches seiner guten Anlage, schönen Auszierungen und unvergleichlichen Gegend halben, von allen mit Bewunderung angesehen wird, wie denn in dieser Gegend noch mehrere gräfliche Dohnasche Güter und Rittersitze anzutreffen, bei welchen Natur, Kunst und Kosten das ihrige in reichem Maß beigetragen haben."

Ein Plan aus der Zeit Carl Ludwig Alexander Dohnas (1758-1838) zeigt einen ersten Versuch, den Barockgarten umzugestalten. Das beherrschende Achsenkreuz wird zugunsten eines großen Rasens aufgegeben, und in den seitlichen Bereichen entstehen kleinteilige Bepflanzungen, durch die sich zahlreiche Wege schlängeln. In dieser Periode der "sentimentalen" Natursehnsucht drängte der Mensch nach Einsamkeit, Ruhe und Abgeschiedenheit. So war jeder Besitzer eines architektonisch angelegten Barock-Gartens bestrebt, diesen im "natürlichen Geschmack" zu verändern. Dabei kam es nicht auf ein kunstvolles Gestaltungskonzept an, vielmehr folgten die einzelnen Abschnitte unzusammenhängend aufeinander. Wie sehr aber der Garten von der Empfindung des Besitzers geprägt wurde, macht Goethe in seinem "Werther" deutlich.

Nach dem Besuch eines Gartens schreibt Werther in sein Tagebuch:
"Der Garten ist einfach, und man fühlt gleich bei dem Eintritte, dass nicht ein wissenschaftlicher Gärtner, sondern ein fühlendes Herz den Plan gezeichnet, das seiner selbst genießen hier wollte..."

Von den neuartigen Motiven in den Landschaftsgärten seien hier nur zwei genannt. Zum einen waren es an chinesischen Vorbildern orientierte Bauten und zum anderen rustikale Elemente wie Bauernhütten, Taubenschläge und ähnliches. Die tiefe Verehrung der Natur bei den Chinesen trug nicht wenig dazu bei, dass der englische Landschaftsstil in Frankreich auch als "anglochinois" bezeichnet wurde, glaubten doch die Franzosen, man habe in England diesen Stil aus China übernommen. Strohgedeckte Bauernhäuser sollten auf das einfache Leben hindeuten und den Parkanlagen einen ländlichen Charakter verleihen.

In Schlodien erbaute Carl Ludwig Alexander Dohna das reizvolle chinesische Teehäuschen auf einer Erdaufschüttung. Der viereckige Teeraum hatte auf allen vier Seiten versenkbare Fenster und nach außen öffnende Türen. Die an der Decke angebrachte Windrose lies sich durch den Windzug aus den oberen kleinen Fenstern in Bewegung setzen. Niemand wusste mehr zu sagen, welchen Zwecken der kleine, dunkle Raum unter dem Teezimmer diente, zu dem eine kurze Treppe führte. Der eigentliche Kellerraum war erst darunter und stand mit dem kleinen Verlies in keinerlei Verbindung. Dieser Keller, der von außen betreten wurde, war nicht etwa ein Eiskeller, wie man vermuten könnte; vielmehr wurde hier Gemüse eingewintert. Am Dach des Teepavillons baumelten rundherum zahlreiche Tonglöckchen, die bei jedem schwachen Windzug eigenartig tönten. "Das reizende kleine chinesische Teehäuschen im Garten, das hübsche Jägerhaus mit dem Taubenschlag und den lateinischen Versen darauf und das kleine Bauernhäuschen im Garten, ganz im Stil der Oberländer Bauernhäuser gebaut und für seine Kinder zum Spielen eingerichtet, sind seine Werke", schreibt Clara Dohna in der von ihr verfassten, aber nur privat gedruckten Schlodier-Chronik. In diesem strohgedeckten Spielhaus befand sich in der Diele ein offener Kamin über dem Herd und neben drei Zimmern zwei kleine Stähle für Tiere und Heu. Dem allgemeinen Zeitstil folgend hatte Carl Ludwig Alexander eine Anzahl Sprüche verfasst, welche an den Bäumen oder Bänken des Parkes angebracht waren. "...sie unterhalten in der Einsamkeit, beleben die Einbildungskraft, wecken die Empfindsamkeit...", so erläutert der maßgebliche Gartentheoretiker Hirschfeld (1779) derlei literarische Ergüsse. Darüber hinaus sollten sie den Menschen in der erhabenen Natur moralisch vervollkommnen und religiös erbauen. In der Chronik sind einige seiner Sprüche festgehalten, sie lauten:

  1. Natur, du bist ein Tempel Gottes,
    Sein Odem lebt und webt in dir,
    Der Mensch in ihr ein müder Wandrer,
    Denn seine Heimat ist nicht hier.

  2. Nie schenkt das Geld, nie schenken Güter
    Dem Menschen die Zufriedenheit,
    Die wahre Ruhe der Gemüter
    ist Tugend und Genügsamkeit.

  3. So hoch und edel wie die Buche
    Soll deine Seele sein,
    Schlank und gerade wie die Buche
    Mög' auch dein Körper sein.

  4. Nur Unschuld, reine Lust
    Wohn' im Schatten dieser Linden,
    Glücklich wer in seiner Brust
    Dieses Kleinod weiß zu finden.

Eine große Orangerie wurde durch einen Zwischenbau 1858 mit dem Schloss verbunden und seither im Sommer als Esssaal benutzt. Bis 1945 war eine große Zahl von ca. 200 Jahre alten Pomeranzen-Bäumen, darunter auch einer mit süßen Früchten, vorhanden sowie ein Zitronenbaum mit unglaublich großen Früchten, aber sehr dicker Schale. Es muss also schon in der Erbauungszeit ein Gebäude zur Überwinterung dieser kostbaren Gewächse, die in der warmen Jahreszeit im Parterre Aufstellung fanden, gegeben haben.

Die Schlodier Chronik nennt ein wichtiges Datum: "1867 wurde der Schlodier Garten von dem Gartendirektor Herrn Larras in umfassender Weise verändert (unter Carl Dohna, 1814-1890), nur blieb die eine große Hecke, die den Durchgang zu dem Vorwerk bildete." Johann Laraß (*1819?-†1893) war Gartendirektor in Bromberg. In einem Nachruf heißt es: "Der Abgeschiedene war wohl einer der wenigen von denjenigen Gartenkünstlern, welche behufs ihrer Ausbildung die Universität besucht haben". Johann Laraß fertigte zwei Pläne an, einen Situationsplan 1867 und im folgenden Jahr den Projektionsplan. Zu dieser Zeit war also noch der Querkanal vorhanden, den Laraß geschickt in einen buchtigen Teich verwandelte. Auch das im Süden des Schlosses liegende und noch aus dem französischen Garten stammende Wasserbecken wurde ein kleiner Teich mit zwei Inseln, die durch den Durchstich an zwei Stellen zum umlaufenden Wallgraben entstanden. Eine - nunmehr bepflanzte - Terrasse blieb der Gartenseite des Schlosses vorgelagert, und den Übergang zum Landschaftsgarten bildeten zwei geometrische Beete. Das in Zierform vorgesehene große Wasserbassin vor dem Schloss verblieb in dem ursprünglichen rechteckigen Umriss. Gleichzeitig war eine erhebliche Vergrößerung des Parkes nach Nordwesten um den dort vorhandenen großen Teich geplant. Die Chronik erwähnt eine Erweiterung des Gartens durch Adolf Dohna (1846-1905) 1891, was darauf hindeutet, dass der nördliche Teil erst später zur Ausführung kam.

Erstaunlicherweise beabsichtigte Laraß sogar, den Park noch über die Zufahrtallee hinaus auszudehnen, wobei er den Abflussgraben des großen Teiches als willkommenes Gestaltungselement geschickt mit einbezog. Hierdurch erreichte er aber auch, dass die Wirtschaftsgebäude für den Ankommenden verborgen blieben.

Die vogelschauartige Darstellung der gesamten Anlage des holländischen Architektur-Zeichners Anco Wigboldus aus dem Jahre 1978 versucht den letzten Zustand des Schlodier Gartens nach der durch Konrad Dohna (1872-1936) um 1930 erfolgten Umgestaltung darzustellen. Da es einerseits keine Flugaufnahme von Schlodien gab und andererseits auch keinen Gartenplan aus dieser Zeit, kann solch eine Zeichnung zwangsläufig nur sehr schematisch erfolgen. Der Gedanke Konrad Dohnas war, dem Schloss wieder einen Rahmen mit französischem Charakter zu schaffen, wie dies ähnlich schon in Schlobitten geschah. So entstand erneut die dominierende Mittelachse, die konsequent über den Teich hinaus bis in die Landschaft geführt wurde. Auf einem dem Schloss zugeordneten Parterre fanden die uralten Pomeranzenbäume die ihnen gemäße Aufstellung."

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Zuletzt aktualisiert am: 30.03.2012 r.
Copyright © 2005 Polnisch-Deutsche Stiftung zum Schutze des Kulturerbes im Ermland
Entwurf und Ausführung: